#Lockdown #Lockerungen #Chaos

 

Es ist wieder soweit. Nachdem bis in die Nacht verhandelt wurde, steht der neue Beschluss: Der Lockdown wird bis zum 28. März verlängert. Schön, das kennen wir ja schon. Aber neu ist: Es gibt Öffnungsmöglichkeiten abhängig von der Infektionslage. Und die richtet sich, wer hätte das gedacht, nach der 7-Tage-Inzidenz. Doch auch hier tolle Neuigkeiten: Weg von der 35 gibt es jetzt schon ab einem Wert unter 100 Lockerungen.

 

Für Bielefeld sieht das auf jeden Fall sehr gut aus. Schließlich haben wir mit einem Wert um die 30 den zweitniedrigsten in NRW und inzwischen sogar die Münsteraner unterboten. Die Frage ist nur: Was bedeuten die Öffnungsschritte im Einzelnen? Laut gar nicht mal so unübersichtlichem Öffnungsschema darf ich mir ab nächster Woche endlich wieder eine körpernahe Dienstleistung gönnen, das heißt wohl Gesichts- und Fußpflege oder eine Massage. Also Letzteres, den Rest kann ich selbst. Hier steht allerdings „zum Teil mit tagesaktuellem Test“. Und was heißt das nun? Wer muss den Test machen, der:die Masseur:in oder ich? Oder beide? Und zu welchem „Teil“ gehöre ich? Kann ich mir bei einer Inzidenz unter 35 (irgendwo habe ich das doch gelesen) das Stäbchenbohren in der Nase vor der Muskelpflege ersparen? Und welche Inzidenz ist da entscheidend, die in Bielefeld oder gilt der Wert in ganz NRW?

 

Auf jeden Fall dürfen bei uns ab Montag Einzelhandel (mit mindestens 10 qm Platz für mich), Museen und Galerien sowie zoologische Gärten wieder öffnen. Und auch kontaktfreier Sport (also wohl kein Fußball oder nur mit 2 m Abstand?) sollte nach Plan im Freien in kleinen Gruppen erlaubt sein – schließlich liegt die Inzidenz in unserer Stadt stabil unter 50. Oder muss sie das in der ganzen Region OWL sein? Oder doch in ganz NRW? Und wenn die Werte in Bielefeld, OWL oder NRW (das wird ja vielleicht bis dahin klar sein) stabil unter 50 bleiben, können wir uns ab Montag in 14 Tagen auch wieder auf einen Kaffee oder ein Weinchen in der Außengastronomie freuen. Und auf einen Theater- oder Kinobesuch. Sogar wenn die Inzidenz wieder über 50 steigt – dann aber mit dem benutzten (negativen) Teststäbchen in der Tasche.

 

Da gibt es jetzt bestimmt einen Run auf die Apotheken und Drogerien. Da warte ich doch lieber ab und schaue, was passiert. Ob und welche Geschäfte wann wieder geöffnet sind, ob der Masseur meines Vertrauens mich bald kontaktiert, ob meine Lieblingskneipen schon Anstalten für die Wiederöffnung im Freien machen. Vorausgesetzt, die betreffenden Dienstleister wissen selbst, wann sie was wieder dürfen. Auf jeden Fall bleibt es spannend. Das ist doch auch schön!

 

 

Ein Wunder der Schöpfung!

 

Wie habe ich sie den Winter über vermisst! Aber jetzt sind sie endlich wieder da, meine kleinen geflügelten Freunde! Schon vor dem lange ersehnten Sommer erschienen sie munter in meiner Küche. Und in meinem Wohnzimmer. Und im Schlafzimmer. Drosophila Melanogaster, die gemeine Fruchtfliege!

 

Schon der Genetiker Thomas Hunt Morgan erfreute sich an den putzigen kleinen Tierchen. Sie waren ein ideales Versuchsobjekt für die klassische Genetik. Klar, sie pflanzen sich ja auch in einem Irrsinnstempo fort - was ich persönlich bezeugen kann. Und sie sind ausgesprochen kostengünstig in der Pflege. „Eine halbe Milchtüte mit einem Stück verfaulender Banane genügte, um zweihundert Taufliegen vierzehn Tage lang bei Laune zu halten“, schreibt Martin Brookes in seinem 2002 erschienenen Buch. Nach meiner Erfahrung reicht noch viel weniger: Eine winziges Stück Apfelschale im Mülleimer, ein trocknender Teebeutel in der Spüle, ein übersehener Weinfleck auf der Ablage. Oder auch gar nichts!

 

Und jedes Jahr frage ich mich: Wo kommen sie her?! Tatsache ist: Die niedlichen geflügelten Plagegeister sind der einzige Fall von "Creatio ex nihilo", zu Deutsch, sie sind eine Schöpfung aus dem Nichts. Ein Wunder im christlichen Sinne! Also werde mich nicht mehr über diese Wunderkreationen ärgern, sondern sie üppig füttern. Und ehrfürchtig vor Ihnen nieder knien.

 

 

Schlechteste Autofahrer in Bielefeld

 

Jetzt haben wir es amtlich: Die schlechtesten Autofahrer in NRW sind die Bielefelder!

 

Laut einer 1Live-Untersuchung hat jeder zehnte von hundert Bielefelder Bürgern schon mal ein Fahrverbot erhalten, jeder dritte musste seinen Schein ganz abgeben. Doppelt so viel wie im NRW-Durchschnitt haben die Bielefelder in den letzten zwei Jahren für Knöllchen ausgegeben. Und offensichtlich haben wir hier auch eine hohe Zahl an Blitzgeräten - so misstrauisch sind unsere Behörden gegenüber den heimischen Autofahrern.

 

Aber ist es wirklich gerechtfertigt, aufgrund der gewählten Kriterien zu behaupten, dass wir Bielefelder die schlechtesten Autofahrer sind? Die eiligsten womöglich - daher die vielen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Und vielleicht nicht immer die intelligentesten - offensichtlich lernen wir nicht so schnell aus unseren Fehlern. Aber die miserabelsten?!

 

Zu unserer Verteidigung: Ein Verkehrsexperte auf WDR2 erklärte das verheerende Resultat damit, dass viele Bielefelder nicht nur in der Stadt wohnen, sondern auch dort arbeiten, also viel mehr innerstädtisch herum kurven. Da muss die Zahl der Verkehrsüberschreitungen ja höher sein. Zudem: Wenn es hier mehr "Blitzer" gibt, werden wir zwangsläufig auch mehr geblitzt. Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz!

 

Auch wenn mir gerade heute morgen wieder zwei Autos fast in meinen Wagen gedonnert wären, finde ich, dass die Bielefelder dieses harsche Urteil nicht verdient haben. Außer, wenn ich just wieder so einen unentschlossenen Langsamfahrer vor der Schnauze habe.